Auszug aus dem Entscheid Nr. 153/2023 vom 23. November 2023 Geschäftsverzeichnisnummer 7846 In Sachen: Klage auf Nichtigerklärung der Artikel 3 und 6 des Dekrets der Französischen Gemeinschaft vom

Auszug aus dem Entscheid Nr. 153/2023 vom 23. November 2023Geschäftsverzeichnisnummer 7846In Sachen: Klage auf Nichtigerklärung der Artikel 3 und 6 des Dekrets der Französischen Gemeinschaft vom 23. Juni 2022 « zur Abänderung des Dekrets vom 18. Januar 2018 zur Einführung des Gesetzbuches über die Prävention, die Jugendhilfe und den Jugendschutz » (Einfügung der Artikel 37/1 und 52/1 in das Dekret vom 18. Januar 2018), erhoben von der Kammer der französischsprachigen und deutschsprachigen Rechtsanwaltschaften.Der Verfassungsgerichtshof,zusammengesetzt aus den Präsidenten P. Nihoul und L. Lavrysen, und den Richtern T. Giet, J. Moerman, M. Pâques, Y. Kherbache, D. Pieters, S. de Bethune, E. Bribosia, W. Verrijdt, K. Jadin und M. Plovie, unter Assistenz des Kanzlers N. Dupont, unter dem Vorsitz des Präsidenten P. Nihoul,erlässt nach Beratung folgenden Entscheid:I. Gegenstand der Klage und VerfahrenMit einer Klageschrift, die dem Gerichtshof mit am 5. August 2022 bei der Post aufgegebenem Einschreibebrief zugesandt wurde und am 8. August 2022 in der Kanzlei eingegangen ist, erhob die Kammer der französischsprachigen und deutschsprachigen Rechtsanwaltschaften, unterstützt und vertreten durch RA J. Fierens, in Brüssel zugelassen, Klage auf Nichtigerklärung der Artikel 3 und 6 des Dekrets der Französischen Gemeinschaft vom 23. Juni 2022 « zur Abänderung des Dekrets vom 18. Januar 2018 zur Einführung des Gesetzbuches über die Prävention, die Jugendhilfe und den Jugendschutz » (Einfügung der Artikel 37/1 und 52/1 in das Dekret vom 18. Januar 2018), veröffentlicht im Belgischen Staatsblatt vom 19. Juli 2022.Mit derselben Klageschrift beantragte die klagende Partei ebenfalls die einstweilige Aufhebung derselben Dekretsbestimmungen. In seinem Entscheid Nr. 141/2022 vom 27. Oktober 2022 (ECLI:BE:GHCC:2022:ARR.141), veröffentlicht im Belgischen Staatsblatt vom 17. März 2023, hat der Gerichtshof die Klage auf einstweilige Aufhebung zurückgewiesen.(...)II. Rechtliche Würdigung(...)In Bezug auf die angefochtenen Bestimmungen und deren KontextB.1. Die klagende Partei, die von der intervenierenden Partei unterstützt wird, beantragt die Nichtigerklärung der Artikel 3 und 6 des Dekrets der Französischen Gemeinschaft vom 23. Juni 2022 « zur Abänderung des Dekrets vom 18. Januar 2018 zur Einführung des Gesetzbuches über die Prävention, die Jugendhilfe und den Jugendschutz » (nachstehend: Dekret vom 23. Juni 2022).B.2. Das Dekret vom 23. Juni 2022 hat ein doppeltes Ziel:- Einerseits führt es einen Bereitschaftsdienst der Berater für Jugendhilfe und der Jugendschutzdirektoren ein (Artikel 1 und 5 des Dekrets vom 23. Juni 2022).- Andererseits schafft es eine gesetzliche Grundlage für Entscheidungen der Staatsanwaltschaft, um ein Kind im Fall der dringenden Notwendigkeit, wenn die körperliche oder geistige Unversehrtheit des Kindes unmittelbar und akut einer ernsthaften Gefahr ausgesetzt ist, außerhalb der Öffnungszeiten der Dienste für Jugendhilfe und Jugendschutz oder wenn der Berater für Jugendhilfe oder der Jugendschutzdirektor während dieser Zeiten nicht erreichbar sind, außerhalb seines Lebensumfelds unterbringen zu lassen (angefochtene Artikel 3 und 6 des Dekrets vom 23. Juni 2022).B.3.1. Der angefochtene Artikel 3 des Dekrets vom 23. Juni 2022 fügt in das Dekret der Französischen Gemeinschaft vom 18. Januar 2018 « zur Einführung des Gesetzbuches über die Prävention, die Jugendhilfe und den Jugendschutz » (nachstehend: Jugendgesetzbuch), einen Artikel 37/1 ein.Artikel 37/1 des Jugendgesetzbuches bestimmt:« § 1er. En cas de nécessité urgente, lorsque l'intégrité physique ou psychique d'un enfant est exposée directement et actuellement à un péril grave et en dehors des heures d'ouverture des services de l'aide à la jeunesse ou si le conseiller n'est pas joignable durant celles-ci, le ministère public peut prendre la mesure visée à l'article 51, alinéa 1er, 2°. La mesure prend fin au plus tard à la fin du premier jour ouvrable suivant le moment où la mesure a été prise. § 2. Le tribunal de la jeunesse connaît des contestations relatives à la mesure visée au paragraphe 1er prise par le Ministère public et portées devant lui par les personnes visées à l'article 36, alinéa 1er ».B.3.2. Der angefochtene Artikel 6 des Dekrets vom 23. Juni 2022 fügt in das Jugendgesetzbuches einen Artikel 52/1 ein.Artikel 52/1 des Jugendgesetzbuches bestimmt:« § 1er. En cas de nécessité urgente, lorsque l'intégrité physique ou psychique de l'enfant est exposée directement et actuellement à un péril grave et en dehors des heures d'ouverture des services de protection de la jeunesse ou si le directeur n'est pas joignable durant celles-ci, le Ministère public peut prendre la mesure visée à l'article 51, alinéa 1er, 2°. La mesure prend fin au plus tard à la fin du premier jour ouvrable suivant le moment où la mesure a été prise. § 2. Le tribunal de la jeunesse connaît des contestations relatives à la mesure visée [au] paragraphe 1er prise par le ministère public et portées devant lui par les personnes visées à l'article 54, alinéa 1er ».B.3.3.1. Die « in Artikel 51 Absatz 1 Nr. 2 [des Jugendgesetzbuches] erwähnte Maßnahme », auf die die durch die angefochtenen Bestimmungen eingefügten Artikel 37/1 und 52/1 des Gesetzbuches Bezug nehmen, bezieht sich auf die Entscheidung, « dass das Kind in Ausnahmesituationen für seine Erziehung oder Betreuung zeitweilig außerhalb seines Lebensumfelds untergebracht wird ».B.3.3.2. Die Artikel 37/1 und 52/1 des Jugendgesetzbuches, eingefügt durch die angefochtenen Bestimmungen, ermöglichen es somit der Staatsanwaltschaft, ein Kind außerhalb seines Lebensumfelds unterbringen zu lassen, wenn drei Bedingungen erfüllt sind.Erforderlich ist (i) eine dringende Notwendigkeit, (ii) dass die körperliche und geistige Unversehrtheit des Kindes unmittelbar und akut einer ernsthaften Gefahr ausgesetzt ist und (iii) dass die Situation außerhalb der Öffnungszeiten der Dienste für Jugendhilfe und Jugendschutz oder zu einem Zeitpunkt eintritt, zu dem der Berater für Jugendhilfe oder der Jugendschutzdirektor nicht erreichbar sind.B.3.4. Eine Beschwerde gegen diese Maßnahme kann beim Jugendgericht von den « in Artikel 36 Absatz 1 erwähnten Personen » und von den « in Artikel 54 Absatz 1 [des Jugendgesetzbuches] erwähnten Personen » eingelegt werden. Dies sind (1) Personen, die gegenüber dem Kind die elterliche Autorität innehaben, (2) Personen, bei denen das Kind rechtlich oder tatsächlich untergebracht ist, (3) Personen, die ein Recht auf persönlichen Umgang mit dem Kind haben, (4) das mindestens vierzehn Jahre alte Kind, (5) das mindestens zwölf Jahre alte Kind, das von einem gegebenenfalls auf Antrag des Beraters von Amts wegen bestellten Rechtsanwalt unterstützt wird, und (6) das unter zwölf Jahre alte Kind oder sein Ad-hoc-Vormund, wenn die Personen, die gegenüber dem Kind die elterliche Autorität innehaben, die Personen, bei denen das Kind rechtlich oder tatsächlich untergebracht ist, oder die Personen, die ein Recht auf persönlichen Umgang mit dem Kind haben, es unterlassen, das Gericht zu befassen.B.3.5. In den Vorarbeiten heißt es:« Un nouvel article 37/1 est inséré en vue de légaliser la mesure prétorienne. Une pratique récurrente du ministère public en matière d'aide à la jeunesse est de prendre, dans certaines circonstances, une mesure d'hébergement hors du milieu de vie pour une période de très courte durée, lorsque l'enfant est supposé être exposé directement et actuellement à un péril grave, et ce dans l'attente de l'intervention du conseiller.Cette pratique est très fréquente dans certains arrondissements judiciaires, en soirée, les jours fériés et les week-ends, le conseiller reprenant généralement la gestion de la situation dès le premier jour ouvrable suivant. Elle permet d'éviter le passage devant le tribunal de la jeunesse dans certaines situations et de rester gérées dans le cadre de l'aide volontaire.La légalisation de la mesure prétorienne prend tout son sens dans le cadre du système de garde des conseillers et directeurs. En effet, la possibilité offerte officiellement au ministère public de prendre une mesure d'éloignement de l'enfant pendant une durée très limitée, couvrant la suite du week-end ainsi que le premier jour ouvrable suivant laisse l'opportunité au conseiller d'assurer le suivi de la situation dans les limites de l'aide volontaire » (Parl. Dok., Parlament der Französischen Gemeinschaft, 2021-2022, Nr. 397/1, S. 8).B.4.1. Der Bereitschaftsdienst der Berater für Jugendhilfe und der Jugendschutzdirektoren wird nach Zonen koordiniert und wird gemäß den von der Regierung festgelegten Modalitäten organisiert.B.4.2. Der Berater für Jugendhilfe ist eine Verwaltungsbehörde, die der Dienstaufsicht des leitenden Beamten der zuständigen Verwaltung der Französischen Gemeinschaft untersteht. Er oder sie leitet den Dienst für Jugendhilfe und muss seine bzw. ihre Befugnisse im Bereich der individuellen Hilfe vollständig unabhängig ausüben. Es gibt einen Berater in jeder Abteilung des Gerichts erster Instanz oder in jedem Gerichtsbezirk, der sich nicht aus Abteilungen zusammensetzt (Artikel 2 Nrn. 5, 8, 12 und 17, Artikel 16 und Artikel 17 des Jugendgesetzbuches).Der Jugendschutzdirektor ist eine Verwaltungsbehörde, die der Dienstaufsicht des leitenden Beamten der zuständigen Verwaltung der Französischen Gemeinschaft untersteht. Er übt seine Befugnisse im Bereich des individuellen Schutzes vollständig unabhängig aus. Es gibt einen Direktor in jeder Abteilung des Gerichts erster Instanz oder in jedem Gerichtsbezirk, der sich nicht aus Abteilungen zusammensetzt, um den Jugendschutzdienst zu leiten. (Artikel 2 Nrn. 5, 10, 12 und 17, Artikel 18 und Artikel 19 des Jugendgesetzbuches).B.4.3. Die Aufgabe des Beraters für Jugendhilfe und des Jugendschutzdirektors während der Bereitschaft besteht darin, die Staatsanwaltschaft über die Zweckmäßigkeit zu informieren, dringend die Entfernung des betroffenen Kindes aus seinem...

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