Auszug aus dem Entscheid Nr. 123/2023 vom 21. September 2023 Geschäftsverzeichnisnummern 7829 und 7848 In Sachen: Klagen auf Nichtigerklärung der Artikel 16 bis 21 des Dekrets der Wallonischen

Auszug aus dem Entscheid Nr. 123/2023 vom 21. September 2023

Geschäftsverzeichnisnummern 7829 und 7848

In Sachen: Klagen auf Nichtigerklärung der Artikel 16 bis 21 des Dekrets der Wallonischen Region vom 3. Februar 2022 « zur Abänderung des Wallonischen Gesetzbuches für soziale Aktion und Gesundheit, was die Gesundheitsförderung und die Prävention betrifft », erhoben von Jocelyne Franssen und der VoG « Droits et libertés » und von der VoG « Notre Bon Droit » und anderen.

Der Verfassungsgerichtshof,

zusammengesetzt aus den Präsidenten P. Nihoul und L. Lavrysen, und den Richtern T. Giet, J. Moerman, E. Bribosia, W. Verrijdt und K. Jadin, unter Assistenz des Kanzlers N. Dupont, unter dem Vorsitz des Präsidenten P. Nihoul,

erlässt nach Beratung folgenden Entscheid:

  1. Gegenstand der Klagen und Verfahren

    1. Mit einer Klageschrift, die dem Gerichtshof mit am 1. Juli 2022 bei der Post aufgegebenem Einschreibebrief zugesandt wurde und am 4. Juli 2022 in der Kanzlei eingegangen ist, erhoben Klage auf Nichtigerklärung der Artikel 17 bis 20 des Dekrets der Wallonischen Region vom 3. Februar 2022 « zur Abänderung des Wallonischen Gesetzbuches für soziale Aktion und Gesundheit, was die Gesundheitsförderung und die Prävention betrifft » (veröffentlicht im Belgischen Staatsblatt vom 25. Februar 2022): Jocelyne Franssen und die VoG « Droits et libertés », unterstützt und vertreten durch RA R. Bokoro N'Saku, in Brüssel zugelassen.

    2. Mit einer Klageschrift, die dem Gerichtshof mit am 12. August 2022 bei der Post aufgegebenem Einschreibebrief zugesandt wurde und am 16. August 2022 in der Kanzlei eingegangen ist, erhoben Klage auf Nichtigerklärung der Artikel 16, 17, 18, 19 und 21 desselben Dekrets: die VoG « Notre Bon Droit », die VoG « Groupe de Réflexion et d'Action Pour une Politique Ecologique », Jamila Adda, Fatiha Aït Saïd, Benoit Barbier, Edith Barbieux, Valentine Bernard, Hubert Bliard, Axel Boogaerts, Eileen Boogaerts, Tybian Boogaerts, Guillaume Brygo, Marilèna Cannella, Karine Capouillez, Dominique Cavillot, Marie Coipel, Astrid De Borman, Els De Geest, Ingrid De Pape, Hélène Declerc, Corine Dehaes, Jean-Paul Dessy, Annick Dethis, Joëlle Devillez, Carine D'Hoye, Anne Dumont, Julien Dupuis, Patrick d'Ursel, Abdelali El Mazbour, Isabelle Fiévez, Marguerite Florani, André Foguenne, Claude Francq, Valérie Gerbehaye, Mélanie Ghys, Nicolas Ghys, Paul Ghys, Isabelle Ghys, Thomas Ghys, Françoise Gilboux, Wendy Glenisson, Bénédicte Grignard, Benoit Guillaume, Jean-Luc Guilmot, Geneviève Hilgers, Sylvianne Honorez, Geneviève Huon, Roger Huppermans, Nathalie Jeanson, François Jongen, Luc Jongen, Alain Jossart, Elisabeth Lambert, Martine Lambrechts, François Laviolette, Francis Leboutte, Corinne Lefrant, Marie-Hélène Lénaers, Jacqueline Lesplingart, Melissa Mairesse, Etienne Marchot, Philippe Massenaux, Sandrine Meunier, Karin Meyer, Jonathan Michel,

    Geneviève Michel, Emmanuel Mignolet, Benoit Nicolay, Régine Nyssens, Christian Papeleux, André Parisse, Sandrine Parisse, Adrien Parisse, Véronique Parisse, Julie Petitjean, Chantal Pierlot, Grégory Pierquin, Amélie Pirmez, Philippe Pleuger, Morgane Prohaczka, Guy Raets, Dieudonnée Reynaert, Paul Roland, Vincent Rousseau, Marie-George Roussille, Joël Scuttenaire, Rebecca Taita, Philippe Tamignaux, Agnès Tamignaux, Mireille Theck, Françoise Tilmant, Manuel Tilquin, Guillaume Tirtiaux, Emmanuelle Trives, Maïa Van Brusselt, Véronique Vanden Bossche, Laurence Vandeputte, Thierry Vanderlinden, Corrie Vangelder, Carole Vanoeteghem, Sandrine Vansnick, Fanny Verhoustraeten und Daniel Zink, unterstützt und vertreten durch par RA F. Schmitz und RA M. Pilcer, in Brüssel zugelassen.

    Diese unter den Nummern 7829 und 7848 ins Geschäftsverzeichnis des Gerichtshofes eingetragenen Rechtssachen wurden verbunden.

    (...)

  2. Rechtliche Würdigung

    (...)

    In Bezug auf das angefochtene Dekret

    B.1.1. Durch ein Dekret der Wallonischen Region vom 2. Mai 2019 « zur Abänderung des Wallonischen Gesetzbuches für soziale Aktion und Gesundheit hinsichtlich Prävention und Gesundheitsförderung » (nachstehend: Dekret vom 2. Mai 2019) hat der Dekretgeber in das Wallonische Gesetzbuch für Soziale Aktion und Gesundheit (nachstehend: Wallonisches Gesetzbuch für Soziale Aktion und Gesundheit) die Bestimmungen zur Prävention und Gesundheitsförderung eingefügt, die er infolge der Übertragung der Ausübung dieser Zuständigkeit von der Französischen Gemeinschaft auf die Wallonische Region aufgrund des Artikels 138 der Verfassung und des Sonderdekrets der Französischen Gemeinschaft vom 3. April 2014 « über die Befugnisse der Französischen Gemeinschaft, deren Ausübung an die Wallonische Region und die Französische Gemeinschaftskommission übertragen wird » und des Dekrets der Wallonischen Region vom 11. April 2014 mit derselben Überschrift angenommen hat (Parl. Dok., Wallonisches Parlament, 2018-2019, Nr. 1332/1, S. 3).

    In dem Bewusstsein, dass es die Ausarbeitung eines Gesundheitsförderungsplans voraussetzt, über zuverlässige Sozial- und Gesundheitsdaten zu verfügen, hat der damalige Dekretgeber mit der Datenerhebung, die für die richtige Entscheidungsfindung notwendig ist, eine Beobachtungsstelle beauftragt, die in der Wallonischen Agentur für Gesundheit, Sozialschutz, Behindertenwesen und Familie (AViQ) geschaffen wurde (Parl. Dok., Wallonisches Parlament, 2021-2022, Nr. 796/1, S. 3).

    B.1.2. Das Dekret der Wallonischen Region vom 3. Februar 2022 « zur Abänderung des Wallonischen Gesetzbuches für soziale Aktion und Gesundheit, was die Gesundheitsförderung und die Prävention betrifft » (nachstehend: Dekret vom 3. Februar 2022) ändert diese Bestimmungen ab und ergänzt sie, um Präzisierungen vorzunehmen und gewisse Unvollkommenheiten zu korrigieren, die sich im Laufe der Arbeiten zur Abfassung des Erlasses der Wallonischen Regierung, mit dem sie umgesetzt werden sollten, gezeigt haben. Es fügt auch Bestimmungen ein, deren Notwendigkeit sich durch die von der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 hervorgerufenen Gesundheitskrise herausgestellt hat.

    Laut der Begründung

    il ne s'agit pas de remettre en cause la philosophie du texte, mais d'améliorer celui-ci dans l'objectif de le rendre plus clair, plus précis, et plus adapté aux soucis de santé de la population wallonne.

    [...]

    Il résulte de ce qui précède que le présent projet de décret ne constitue donc pas une remise en cause de la promotion de la santé telle qu'elle avait été décidée par le Parlement, mais plutôt un ajustement, une amélioration des textes, dans la continuité du décret du 2 mai 2019

    (ebenda).

    In Bezug auf den Umfang der Klagen

    B.2.1. Der Gerichtshof muss der Umfang der Nichtigkeitsklagen auf der Grundlage des Inhaltes der Klageschriften bestimmen.

    Für nichtig erklären kann der Gerichtshof nur ausdrücklich angefochtene gesetzeskräftige Bestimmungen, gegen die Klagegründe angeführt werden, und gegebenenfalls Bestimmungen, die zwar nicht angefochten werden, aber untrennbar mit den für nichtig zu erklärenden Bestimmungen verbunden sind.

    B.2.2. Die klagenden Parteien in der Rechtssache Nr. 7829 beantragen die Nichtigerklärung der Artikel 7, 18, 19, 20 und 21 des Dekrets vom 3. Februar 2022. Die Nichtigkeitsklageschrift enthält jedoch keinen gegen die Artikel 20 und 21 dieses Dekrets gerichteten Beschwerdegrund.

    B.2.3. Die klagenden Parteien in der Rechtssache Nr. 7848 beantragen die Nichtigerklärung der Artikel 16, 17, 18, 19 und 21 des Dekrets vom 3. Februar 2022.

    In Bezug auf die Zulässigkeit der Klagen

    B.3.1. Die Verfassung und das Sondergesetz vom 6. Januar 1989 über den Verfassungsgerichtshof erfordern, dass jede natürliche oder juristische Person, die eine Nichtigkeitsklage erhebt, ein Interesse nachweist. Das erforderliche Interesse liegt nur bei jenen Personen vor, deren Situation durch die angefochtene Rechtsnorm unmittelbar und ungünstig beeinflusst werden könnte.

    B.3.2. Die Wallonische Regierung stellt das Interesse der klagenden Parteien in der Rechtssache Nr. 7829 und der zweiten klagenden Partei in der Rechtssache Nr. 7848 in Abrede. Sie ist zudem der Auffassung, dass die klagenden Parteien kein Interesse an der Beantragung der Nichtigerklärung der Artikel 17, 18 und 20 des Dekrets vom 3. Februar 2022 haben, weil die Nichtigerklärung dieser Bestimmung zur Folge hätte, dass die Artikel 47/14 bis 47/16 des Wallonischen Gesetzbuches für Soziale Aktion und Gesundheit in ihrer vorherigen Fassung wiederhergestellt würden, was ihnen nicht mehr Garantien bieten würde.

    B.3.3. Die erste klagende Partei in der Rechtssache Nr. 7829 und die 3. bis 103. klagende Partei in der Rechtssache Nr. 7848 sind natürliche Personen, die in der Wallonischen Region wohnen oder sich regelmäßig dort hinbegeben und auf die die angefochtenen Bestimmungen angewandt werden könnten, was zur Folge habe, dass bestimmte ihrer Grundrechte verletzt würden. Sie weisen daher ein Interesse an der Beantragung der Nichtigerklärung nach. Folglich ist das Interesse der anderen klagenden Parteien, die juristische Personen sind, nicht zu prüfen.

    Außerdem ist die Wiederherstellung der vorherigen Bestimmungen, die sich aus einer Nichtigerklärung ergäbe, nicht geeignet, den klagenden Parteien ihr Interesse abzusprechen, denn sie würden erneut eine Möglichkeit erhalten, dass ihre Lage infolge der Nichtigerklärung der angefochtenen Bestimmungen vorteilhafter geregelt würde.

    B.3.4. Die Einreden der Unzulässigkeit werden abgewiesen.

    In Bezug auf die Prüfung der Klagegründe

    B.4. Der Gerichtshof prüft die Klagegründe der klagenden Parteien in den beiden Rechtssachen, indem er sie in der folgenden Weise zusammenfasst:

    - Klagegrund zur Zuständigkeit des Dekretgebers (sechster Klagegrund in der Rechtssache Nr. 7848),

    - Klagegründe zur gesundheitlichen Notsituation (zweiter Klagegrund in der Rechtssache Nr. 7829 und erster und zweiter Klagegrund in der Rechtssache Nr. 7848),

    - Klagegrund zu den strafrechtlichen Unterstrafestellungen (dritter Klagegrund in der Rechtssache Nr. 7848),

    - Klagegründe zur...

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